Chloranisole: Geruchsbelästigung im Fertighaus – Saniert und stinkt immer noch?

Seit vier Jahren saniert Familie R. aus Hessen Ihr Fertighaus. Natürlich war der seltsame Geruch im Haus, durch Chloranisole hervorgerufen, aufgefallen und die Entscheidung war schnell getroffen: Hier muss gehandelt werden. Der typische Fertighaus Geruch sollte verschwinden.

Nach anfänglichen intensiven Recherchen und Gesprächen mit Sanierungsunternehmen, die sich auf die Sanierung des Fertighaus Geruch und der Chloranisole sowie der Schadstoffe im Fertighaus spezialisiert haben, geht Familie R. Ihr Projekt mit einer neuen Fassade an.

Angeblich, so der Sanierer, soll der typische, muffig – modrige und leicht süßliche und sehr intensive und störende Fertighaus Geruch besser werden, wenn die Fassade von außen geöffnet wird und die alten Dämmstoffe entfernt werden.

An dieser Stelle muss ich als Sachverständiger darauf hinweisen, dass sogenannte alte Mineralwolle vor Baujahr 2000 ohne vorherige Analyse als krebserzeugend einzustufen ist (Bauwirtschaft, 05/2010). Es gelten prinzipiell die gleichen Sicherheitsvorkehrungen wie beim Umgang mit leicht gebundenem Asbest. Ganz klar ein Fall für ausgewiesene Fachunternehmen in diesem Bereich.

Nach dem Ausbau der alten Dämmstoffe wurden die Rahmenhölzer der Konstruktion mit Kalkmilch behandelt und eine neue Dampfbremse im Sub- and Top – Verfahren eingebaut (siehe Abbildungen unten). An dieser Stelle möchte ich gerne etwas mehr ins Detail gehen. Folgende Skizze zeigt einen Ausschnitt aus einer solchen Konstruktion, mit besonderem Augenmerk auf die Schadstofffreisetzung.

Arrow
Arrow
Baubiologie Thiesen - Ein kritischer Blick auf die Fertighaussanierung: Skizze eines Sanierungskonzeptes - Sanierung durch die Öffnung der Fassade von außen und das Einbringen einer neuen Dampfbremse (blau).
Shadow
Slider

Baubiologie Thiesen - Ein kritischer Blick auf die Fertighaussanierung - Legende

Meines Erachtens kann die beschriebene Sanierung der Chloranisole und der aus der Konstruktion frei werdenden Holzschutzmittel (Pentachlorphenol und Lindan z. B.) höchstens eine Teillösung darstellen, wenn überhaupt.

Als Sachverständiger muss ich folgende Fragen stellen, wobei diese Fragen eine kleine Auswahl meiner persönlichen Fragezeichen zu dieser Art und Weise der Schadstoffsanierung sind:

  1. Sorgt die nachträglich eingebrachte Dampfbremse dafür, dass keine Schadstoffe (Holzschutzmittel und Chloranisole) mehr aus den belasteten Holzbalken an die Raumluft abgegeben werden?
  2. Wie wird durch diese Maßnahmen die Freisetzung von Formaldehyd aus der raumseitig vorhandenen Spanplatte unterbunden?
  3. In wie fern wird eine vorhandene Sekundärkomtamination der Spanplatte und / oder der Gipswerkstoffplatte im Innenraum mit Holzschutzmitteln und Chloranisolen berücksichtigt?

Sanierungsmaßnahmen, egal nach welchem Ansatz ausgeführt, sollten nach Ihrer Umsetzung kontrolliert werden.

Voraussetzung für eine (rechts)sichere Auftragsvergabe und Ausführung der Sanierung sollten Zielwerte der entsprechenden Schadstoffe in der Raumluft sein.

 

BAU-BIOLOGISCH TEILBAR ;)
Michael Thiesen

Der Diplom-Ingenieur Michael Thiesen ist baubiologischer Messtechniker und betreibt eine anerkannte baubiologische Beratungsstelle (IBN). Der Sachverständige für Baubiologie misst und bewertet Gesundheitsrisiken und saniert Schäden für private und gewerbliche Kunden nach dem D-MIR-Standard.