Lindan

ghs_06_skullLindan ist ein halogenierter Kohlenwasserstoff, ein farbloses, fast geruchsloses Pulver und ein weit verbreitetes Kontaktinsektizid.

Es wird in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut und ist stark lipophil (fettliebend), was dazu führt, dass es sich vor allem über Fisch in der Nahrungskette des Menschen anreichert. Aus diesem Grund darf Lindan nicht ungebunden in die Umwelt gelangen.

Lindan zählt zu den hormonaktiven Substanzen, die auch als „endokrine Disruptoren“ bezeichnet werden. Im menschlichen Körper wirkt der Stoff hormonähnlich und bioakkumulativ, sprich er verbleibt pghs_09_Aquatic-pollut-redersistent im Körper und reichert sich bei Kontakt mit dem Stoff oder bei Aufnahme über die Nahrungskette an.

Bis zum Jahr 2002 wurde Lindan häufig zur Bekämpfung von Schädlingen in der Landwirtschaft eingesetzt. Seit 2007 ist zudem der Einsatz in pharmazeutischen Produkten eingeschränkt worden. Zusätzlich fand Lindan häufig in Verbindung mit Pentachlorphenol (PCP) oder Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) Anwendung als Holzschutzmittel. Es wurde im Holz- und Bautenschutz gegen Holz zerstörende Insekten verwendet. Dadurch kann in es in Gebäuden, vor allem Fertighäusern, mit entsprechend behandelten Materialien vorwiegend aus den 60- bis 80-iger Jahren zu Raumluftbelastungen kommen.

220px-Gamma-hexachlorocyclohexane.svgLindan wirkt hauptsächlich schädigend auf Nerven und Leber. Zusätzlich kann es zu Missempfindungen an der Haut, zu Kopfschmerzen, Schwindel und/oder Veränderungen von Blutbild und Leberfunktionen kommen. Seit 2015 wird Lindan von der WHO als krebserregend bei Menschen (Gruppe 1) eingestuft.

Lindan ist im Gegensatz zu Pentachlorphenol, dessen Einsatz seit 1989 untersagt ist, bis heute nicht verboten. Der Einsatz von Lindan wurde jedoch in den 80-iger Jahren stark eingeschränkt. Im Ausland wird Lindan hingegen weiterhin produziert und über Produkte und Nahrungsmittel weiterhin verbreitet.

Um eine mögliche Gesundheitsgefährdung umfassend beurteilen zu können, spielen neben der Höhe der Konzentration und dem Zeitraum der Belastung auch die Intensität der Raumnutzung eine Rolle. Insgesamt wird zwischen der Belastung der Innenraumluft und der Belastung der Bauteile bzw. des Hausstaubs unterschieden. Hierfür existieren unterschiedliche Grenzwerte. Laut Bundesgesundheitsamt (BGA) liegt die duldbare tägliche Aufnahmemenge bei 0,005 mg/kg Körpergewicht (1992).

Um eine Belastung der Raumluft ausschließen zu können müssen umfangreiche Raumluftmessungen, Staub- und Materialuntersuchungen durchgeführt werden.

Im Zuge der Sanierung sollten sämtliche Schadstoffquellen ermittelt und entfernt werden.

Je nach Sachlage kann auch eine Beschichtung oder Absperrung belasteter Oberflächen erfolgen.

 

Literatur:
Gesamtverband Schadstoffsanierung GbR (2010): Schadstoffe in Innenräumen und an Gebäuden – Erfassen, bewerten, beseitigen, Köln.
BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (2015): http://wingisonline.de/showbetrandoc.aspx?woid=81&docid=486, Zugriff am 10.11.2015, Berlin.
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