Muffiger Geruch in Fertighäusern – Chloranisole

Fertighäuser, die bis etwa Ende der 1970er Jahre erstellt worden sind, sind in der Vergangenheit schon vielfach wegen Ihrer möglichen Schadstoffbelastung ins Gerede gekommen. Insbesondere die Formaldehydproblematik im Zusammenhang mit Spanplatten ist seit langem bekannt. Weitere Altlasten können asbesthaltige Materialien und Chlororganische Verbindungen wie Lindan und Pentachlorphenol (PCP) sein, die gezielt als Holzschutzmittel im Ständerwerk und in der Dachkonstruktion eingesetzt wurden. Seit den 90er Jahren häufen sich die Beschwerden über muffige Gerüche, die zunächst auf Feuchte- und Schimmelpilzprobleme zurückgeführt wurden. Untersuchungen ergaben jedoch, dass der auffällige Geruch in der Regel nicht mit einem Schimmelpilzbefall zusammenhängt. In der Raumluft dieser Häuser wurden aber Chloranisole analysiert. Chloranisole sind Verbindungen, die als Verursacher des Korkgeschmacks in Wein identifiziert wurden. Was aber hat „korkiger“ Wein mit einem Fertighaus zu tun? In diesem Beitrag wird der derzeitige Wissensstand zum Vorkommen, der Entstehung und den angebotenen Sanierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Chloranisol-Problematik in Fertighäusern dargestellt.

Was sind Chloranisole und wo kommen sie her?

Schon seit langem sind die Auswirkungen von Chloranisolen als Problem bekannt: Der Korkgeschmack von Weinen. Aber erst seit knapp drei Jahrzehnten kennt man auch seinen Verursacher, die Substanz 2,4,6,-Trichloranisol (TCA). Diese Substanz ist schon in kleinsten Dosierungen als muffiger, an nasse Kartons erinnernder Ton im Wein bekannt.

Chloranisole entstehen durch die so genannte mikrobielle Methylierung aus Chlorphenolen und gelangen in der Regel über den Flaschenkorken in den Wein. Die notwendigen Ausgangssubstanzen kommen schon natürlicherweise in der Rinde von Korkeichen vor (Studie der Forschungsanstalt Geisenheim). Weitere Faktoren können die bei der Wein- und/oder Korkherstellung eingesetzten chlorhaltigen Reinigungs-, Desinfektions- und Konservierungsmittel sein. In Fertighäusern können Chloranisole durch mikrobielle Tätigkeit aus vorhandenen Phenolen, Chlorphenolen (z.B. Holzschutzmittel Pentachlorphenol) oder Chlorbenzolen entstehen. Am Fraunhofer-Institut für Holzforschung (WKI) in Braunschweig wurden diesbezüglich umfangreiche Versuche durchgeführt (siehe Beitrag Dr. Jan Gunschera im Tagungsband der 9. Pilztagung des VDB). In beiden Fällen handelt es sich um die gleichen Substanzen, die durch mirkobielle Tätigkeit entstehen: Chloranisole.

Der Wein wird durch Chloranisole ungenießbar, aber nicht giftig, das Fertighaus und seine Bewohner werden durch die gleichen Substanzen geruchlich belastet. Eine toxikologisch begründete Gesundheitsgefährdung liegt in der Regel nicht vor, es kann aber durchaus von einer „Sozialen Toxizität“ gesprochen werden. Wenn Bewohner eines Fertighauses schon am muffig-schimmelligen Geruch ihrer Kleidung zu erkennen sind und keinen Besuch mehr bekommen, haben sie oft ein Problem mit Chloranisolen. Diese sozialen Komponenten dürfen nicht vernachlässigt werden.

Vorkommen und Eigenschaften

Wie bei vielen anderen chlororganischen Verbindungen gibt es nicht nur ein Chloranisol, sondern mehrere Verbindungen, die sich in ihrer Struktur sehr ähnlich sind, in ihren Eigenschaften aber unterscheiden. Das Grundgerüst wird von einem Benzolring gebildet, an den eine Methoxi-Gruppe (-O-CH3) gebunden ist. Die normalerweise am Benzolring vorhandenen Wasserstoffatome können durch Chloratome ersetzt sein. In der Raumluft geruchlich auffälliger Häuser liegen meistens TCA- und TeCA-Konzentrationen oberhalb der Geruchsschwelle im Nanogrammbereich vor.

Sanierungsmöglichkeiten

Generell müssen bei einer Schadstoffsanierung vorab einige Dinge geklärt werden. Insbesondere bei einem Fertighaus liegt ja nicht nur ein Schadstoff vor, sondern ein mehr oder minder großer Cocktail verschiedenster Substanzen. Am Anfang steht die Bestandsaufnahme und Ermittlung des Status Quo durch einen baubiologischen Sachverständigen. Für jeden erfassten Schadstoff sollte ein Sanierungsziel festgelegt werden, denn eine generelle Schadstofffreiheit kann nicht garantiert werden. Wenn die Sanierungsziele feststehen, muss geprüft werden, mit welchen Mitteln diese zu erreichen sind. Unter Umständen ist ein Erreichen der festgelegten Sanierungsziele nicht möglich oder nur mit immensen Kosten zu realisieren, so dass unter Umständen ein Abriss und Neubau vorzuziehen ist. Im Rahmen der VDB-Tagung „Schadstoffe in Innenräumen“ im November letzten Jahres stellten zwei Firmen ihre Vorgehensweise bei vorliegenden geruchlichen Belastungen vor. Eine Minimierungsvariante bestand im Abdichten von Undichtigkeiten und dem Einbau einer Lüftungsanlage, so dass durch einen verstärkten Luftaustausch die Schadstoffkonzentrationen im Innenraum sinken. Die andere Firma öffnet die Gebäudekonstruktion von außen, entfernt die vorhandene Dämmung, behandelt die Oberflächen und erstellt eine neue Außenwand. Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile und müssen im Einzelfall diskutiert werden. Leider gibt es bislang zu keinem Verfahren eine gutachterliche und messtechnische Begleitung. Dies soll nachgeholt werden.

Fazit

Chloranisole sind keine neuen Substanzen, die in Bauprodukten gezielt eingesetzt werden; sie entstehen innerhalb der Holzständerkonstruktion erst Jahre nach der Fertigstellung. Deshalb ist diese Geruchsproblematik auch nicht seit Beginn der Fertighauserstellung bekannt, sondern erst Jahrzehnte danach. Insbesondere das 2,4,6-Trichloranisol ist eine Substanz mit einer sehr niedrigen Geruchsschwelle und ist deshalb schon bei äußerst geringen Konzentrationen wahrnehmbar. Der Nachweis der Chloranisole ist einfach über Raumluftmessungen zu erbringen. Eine Sanierung ist in der Regel kompliziert und bedarf einer umfassenden baubiologischen Bestandsaufnahme und einer guten Beratung der Betroffenen.

Autor: Stache Baubiologie & Umweltmesstechnik

BAU-BIOLOGISCH TEILBAR ;)