Schadstoffe im Fertighaus: Über die richtigen Analysen…

Aktuelles zur Schadstoffuntersuchung im Fertighaus

Obwohl die Raumluftuntersuchungen im Fertighaus seit vielen Jahren betrieben wird und hier umfangreiche Erfahrungen bezüglich der Holzschutzmittel und Chloranisole sowie Formaldehyd vorliegen, werden aktuell noch neue Erkenntnisse zur Raumluftbelastung mit Schadstoffen gewonnen. Es geht hierbei um die Reizwirkung und Geruchsbelästigung durch niedere Carbonsäuren wie Ameisen- und Essigsäure.

Welche Rolle spielen Carbonsäuren bei der Bewertung eines Fertighauses?

„Essigsäure stellt ein typisches Abbauprodukt aus Holz dar und ist deshalb auch bekannt als sogenannte Holzsäure. Möglicherweise ist die Emission an Essigsäure deutlich mehr am Auftreten von Schleimhautreizungen beteiligt, als bisher angenommen. Ein wesentliches Vorkommen an Essigsäure betrifft das Fertighaus – ältere Modelle sowie interessanterweise auch neuere Fertighäuser – aber auch andere Innenräume und ist im Wesentlichen auf die Emission aus Pressspan- oder MDF-Platten zurückzuführen.“ [1]

Was haben diese neuen Erkenntnisse für einen Einfluss auf die sachverständige Untersuchung im Fertighaus?

Diese neuen Erkenntnisse bedeuten für die Begutachtung eines Fertighauses eine dringend notwendige Erweiterung des Analysenspektrums. Die oben genannten Carbonsäuren, Essigsäure und Ameisensäure, müssen unbedingt in die Untersuchung mit einbezogen werden.

Die alleinige Begutachtung von Pestiziden, Geruchs aktiven Substanzen und Formaldehyd ist nicht ausreichend. Dies möchte ich an einem Fallbeispiel eines im Dezember 2016 untersuchten Fertighauses erläutern. Die folgenden Grafiken zeigen exemplarisch die Raumluftkonzentrationen an wesentlichen Schadstoffen in diesem Objekt.

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Es ist gut zu sehen, dass die wesentlichen Pestizide, Pentachlorphenol und Lindan nur in niedriger Konzentration in der Raumluft anwesend sind.

Auch konnte in diesem Objekt keine Geruchsbelästigung festgestellt werden.

Die wesentlichen Geruchs aktiven Substanzen, die Chloranisole, lagen ebenfalls in sehr geringer Konzentration vor.

Die Untersuchung der Aldehyde ergab keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.

Wäre die Messung an dieser Stelle beendet worden, so müsste das Objekt als nur gering schadstoffbelastet eingestuft werden.

Ist dem so?

Die folgenden Grafiken zeigen  die Ergebnisse der Untersuchung der Raumluft auf Essigsäure und Ameisensäure.

baubiologie-thiesen-fertighausuntersuchung-ameisensaeure

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Es ist deutlich zu sehen, dass vor allen Dingen Essigsäure in extrem erhöhter Konzentration in der Raumluft vorhanden ist. Sogar der Gefahrenwert (RWII), welcher einen unverzüglichen Handlungsbedarf markiert, wird hier überschritten.

Auch die Ameisensäure wurde in relevanter Konzentration in der Raumluft nachgewiesen. Der Vorsorgewert wird überschritten.

 

Dieses Beispiel zeigt doch sehr deutlich, dass die Untersuchung der Carbonsäuren in der Raumluft von Fertighäusern und Holzhäusern ein notwendiger und zwingender Bestandteil bei der Bewertung solcher Objekte ist.

Aus meiner Sicht ist eine sachverständige und seriöse Bewertung eines Fertighauses ohne die Untersuchung von Essigsäure und Ameisensäure in der Raumluft nicht möglich.


[1] interne Information Dr. W. Maraun, ö.b.u.v. Sachverständiger für Geruchsbelastungen und Schadstoffe in Innenräumen, ARGUK Umweltlabor GmbH

 

 

 

BAU-BIOLOGISCH TEILBAR ;)
Michael Thiesen

Der Diplom-Ingenieur Michael Thiesen ist baubiologischer Messtechniker und betreibt eine anerkannte baubiologische Beratungsstelle (IBN). Der Sachverständige für Baubiologie misst und bewertet Gesundheitsrisiken und saniert Schäden für private und gewerbliche Kunden nach dem D-MIR-Standard.