Unerkannter Schimmelschaden: Auf der Spur der Staubläuse…

„Herr Thiesen, langsam glaube ich schon Gespenster zu sehen; überall sehe ich Staubläuse in meinem neuen Haus. Im Internet habe ich gelesen, dass Staubläuse Schimmel fressen. Stimmt das? Ich habe Angst, dass wir hier einen Schimmelschaden haben und bin verunsichert. Können Sie uns helfen?“

Staubläuse als Anlass für eine Begehung waren auch für mich neu. Das Staubläuse durchaus mit Schimmelschäden assoziiert sein können kann ich bestätigen. Aber: Weder stelle ich vor Ort im Hause meiner Kunden einen auffälligen Geruch fest, noch ist irgendwo Schimmel zu sehen, geschweige denn , dass es an den Wänden auch nur ansatzweise feucht wäre, was meine Messungen schnell zeigen. Da! Eine Staublaus, direkt oberhalb der Fußleiste im Wohnbereich. Wenig später zeigt mir meine aufmerksame Kundin erneut eine Staublaus, auf dem Boden, direkt vor der Fußleiste im Hausflur. Messungen der Feuchtigkeit in der Estrich – Randfuge erbringen einen unklaren Befund: teils sind leicht erhöhte Werte festzustellen, an anderer Stelle wiederum nicht. Dies kann ich so nicht als Hinweis auf eine deutlich erhöhte Feuchtigkeit in der Estrich – Randfuge werten. Meine Kunden folgen meiner Empfehlung eine Probe aus der Randfuge zu präparieren und auf Schimmelpilze zu untersuchen. Abstriche mit sterilem Tupfer sind hier das Mittel der Wahl, das Laborergebnis ist eindeutig: Aspergillus versicolor wird hier in erhöhter Konzentration nachgewiesen. Dieser Schimmelpilz ist ein starker Indikator für Feuchteschäden und kommt fast ausschließlich bei derlei Schäden im Innenraum vor, ein Eintrag aus der Außenluft in die Randfuge kann ausgeschlossen werden. Nun ist klar: Es liegt ein Schimmelschaden im Bereich der Estrichrandfuge vor, möglicherweise auch im Bereich des Bodenaufbaus. Da es sich um einen Neubau handelt, teils mit ökologischen, baubiologisch empfehlenswerten Baustoffen wie Lehmputzen ausgestattet und ein Wasserschaden sicher ausgeschlossen werden kann, muss es sich um Neubaufeuchte handeln, die aus dem Bodenaufbau über die Estrich – Randfuge abgegeben wird und hier zu teils, lokal erhöhten Feuchtigkeitsmesswerten führt. Dieser sicherlich eher geringe Anteil an Feuchtigkeit reicht aus, dass sich ein Schimmelschaden ausbilden kann, der in diesem Fall durch die Staubläuse „angezeigt“ wurde.

Und nun? Wie geht man mit einem solchen Schaden um? Wie ist er zu sanieren?

Am einfachsten und sinnvollsten ist dieser Schaden meiner Meinung nach durch eine diffusionsoffene Abschottung der Randfugen zu sanieren. Diese Abschottung hält Gerüche und Partikel sicher zurück. Damit ist gewährleistet, dass der Schaden sich nicht ausweitet. Es kann garantiert werden, dass nach der Abschottung der Fugen KEINE Belastung der Raumluft vorliegt. Feuchtigkeit kann aber dennoch weiterhin austreten. Es ist zu erwarten, dass durch diese natürliche Abtrocknung des Schadensbereiches die biologische Aktivität der Mikroorganismen geringer werden wird. Ein in allen Aspekten aufwendiger und zerstörender (Teil-) Rückbau des Bodens entfällt.

BAU-BIOLOGISCH TEILBAR ;)
Michael Thiesen

Der Diplom-Ingenieur Michael Thiesen ist baubiologischer Messtechniker und betreibt eine anerkannte baubiologische Beratungsstelle (IBN). Der Sachverständige für Baubiologie misst und bewertet Gesundheitsrisiken und saniert Schäden für private und gewerbliche Kunden nach dem D-MIR-Standard.