Verdacht auf Schimmel? Über die richtige Analytik…

Immer wieder erreichen unser Büro Anfragen, in denen die Betroffenen Schimmel in der Wohnung vermuten, aber nichts zu sehen ist. Oftmals sind gesundheitliche Beschwerden wie sie  bei Schimmelpilzschäden auftreten können Atemwegsreizungen, Hustenreiz, Müdigkeit oder ähnliches Anlass für die Kontaktaufnahme. Auch nach ehemaligen Wasserschäden besteht oft noch die Vermutung oder der begründete Verdacht, dass sich immer noch Schimmelpilze in den ehemaligen Schadensbereichen befinden. Gerade in solchen Situationen sind oftmals Fußbodenkonstruktionen betroffen, so dass ein möglicher Schaden schlichtweg „übersehen“ wird.
Auch geruchliche Auffälligkeiten werden häufig als Hinweis auf einen möglichen Schimmelpilzbefall berichtet.
Was ist zu tun? Wie sollen solche Fälle sachverständig begutachtet werden?

Die Fragen unserer Kunden lauten zum Beispiel:

„Vor einiger Zeit gab es in unserer Wohnung einen Wasserschaden. Dieser wurde zwar saniert aber mittlerweile bemerken wir bei bestimmten Wetterlagen immer wieder einen seltsamen Geruch in den damals betroffenen Räumen. Kann das mit Schimmelpilzen zusammenhängen?“

„Wir bemerken, dass es in unserer Wohnung immer wieder zu Schimmelbefall an unserer Kleidung, auch an Lederschuhen oder ähnlichem kommt. Wir haben schon genau geschaut, sehen aber nirgendwo Schimmelpilze an den Wänden. Können Sie uns weiterhelfen?“
Selbstverständlich können wir unseren Kunden in solchen unklaren Situationen weiterhelfen und für Sicherheit sorgen.
Durch seriöse und sachverständige Begutachtung und Analyse der Situation vor Ort können wir mit unserem Know-How im Bereich der Schimmelpilzanalytik und unserer langjährigen Erfahrung schnell und sicher ermitteln, ob eine Belastung mit Schimmelpilzen vorliegt und ob ein Schimmelpilzschaden vorhanden ist.
Das Wichtigste ist eine sachverständige Untersuchung der Räumlichkeiten, die ich hier ein wenig näher erläutern möchte.
Aus dem Lebenszyklus der Schimmelpilze wird klar, welche Untersuchungsmöglichkeiten bestehen, um verdeckte, nicht sichtbare Schimmelpilzschäden in Innenräumen sicher zu lokalisieren.
 lebenszyklus-schimmelpilze
Immer noch vereinfacht dargestellt, sondern Schimmelpilze die allseits bekannten Sporen ab. Nun ist es so, dass Schimmelpilzsporen sich in verschiedenen Stadien befinden können. Es gibt aktuell keimfähige Schimmelpilzsporen und aktuell nicht keimfähige Schimmelpilze. Alleine aus dieser Tatsache lässt sich ableiten, dass es sinnvoll ist, sowohl die nicht keimfähigen, als auch die keimfähigen Sporen zu untersuchen.
Immer wieder ftreffen wir auf Fälle, bei denen in der Raumluft zum Beispiel nur die keimfähigen Schimmelpilzsporen durch eine Kultivierungsuntersuchung ermittelt wurden .
Meiner Ansicht nach ist dies der falsche Ansatz und bietet eine deutlich zu geringe analytische Sicherheit in der Bewertung.
Darauf komme ich im Folgenden aber noch zurück, anhand eines Praxisbeispiels.
Auch sondern Schimmelpilze durch die Nahrungsaufnahme und die Verstoffwechselung selbiger gasförmige Substanzen ab, die sogenannten MVOC (microbial volatile organic compounds). Mit diesem Wissen ist es logisch, dass auch die Untersuchung der gasförmigen Freisetzungen von Schimmelpilzen eine gute Möglichkeit zur Ermittlung von nicht sichtbaren, verdeckten Schimmelpilzschäden darstellt.
Folgende Skizze soll die drei oben angesprochenen Untersuchungsmöglichkeiten verdeutlichen und stellt gleichzeitig eine Gewichtung der analytischen Sicherheit da.
untersuchungsmethoden-schimmelpilze
Vereinfacht kann man sagen, dass zum Beispiel eine alleinige Untersuchung der keimfähigen Sporen in der Raumluft eine analytische Sicherheit von etwa 33% darstellt. Das heißt, dass etwa zwei von drei Freisetzungen der Schimmelpilze nicht berücksichtigt werden. Ein aus meiner Sicht viel zu geringe Sicherheit bei der Bewertung!
Aus diesen Ausführungen lässt sich ableiten, dass es im Falle von nicht sichtbaren, verdeckten Schimmelpilzschäden von großer Wichtigkeit ist, alle 3 Parameter in der Raumluft zu untersuchen.
Nur und alleine durch die Bestimmung aller drei genannten Parameter in der Raumluft, die Untersuchung der keimfähigen und der nicht keimfähigen Sporen kombiniert mit der Untersuchung der MVOC, lässt sich eine ausreichende analytische Sicherheit bei der Raumluftuntersuchung zur Ermittlung von nicht sichtbaren verdeckten Schimmelpilzschäden in Innenräumen erreichen.
Die Wichtigkeit dieses Untersuchungsansatz und der umfassenden Untersuchung aller drei Parameter in der Raumluft möchte ich anhand eines Falles, den unser Sachverständigenbüro bearbeitet hat, schildern.
In den Büroräumen einer Sparkasse kam es wiederholt zu gesundheitlichen Beschwerden der Mitarbeiterin. Die beauftragte Schimmelpilzuntersuchung in der Raumluft und Begutachtung der Räumlichkeiten ergab, dass die Gesamtsporenuntersuchung, also die Ermittlung aller Schimmelpilzsporen, egal ob keimfähig oder nicht, unauffällig war. Auch die Untersuchung der MVOC in der Raumluft ergab keinen Hinweis auf einen Schimmelpilzschaden. Alleine die Untersuchung des Artenspektrums durch eine Kultivierung auf verschiedenen Nährmedien ergab, dass der Feuchteindikator Aspergillus restrictus in der Raumluft in deutlich erhöhter Konzentration anwesend war. Das Ergebnis soll folgende Skizze verdeutlichen.
 untersuchungsmethoden-schimmelpilze-ergebnis

Wie wäre die Bewertung ausgefallen, wenn hierlediglich die MVOC in der Raumluft untersucht worden wären?

Wie wäre das Ergebnis ausgefallen, wenn nur die Gesamtsporenuntersuchung durchgeführt worden wäre?

Ohne die Untersuchung aller drei Parameter wäre das Auffinden des Schimmelpilzschadens ein reiner Glückstreffer gewesen.

PS: Über eine andere Methode der sachverständigen Begutachtung von vermuteten Schimmelschäden werde ich im Februar 2017 berichten.

BAU-BIOLOGISCH TEILBAR ;)
Michael Thiesen

Der Diplom-Ingenieur Michael Thiesen ist baubiologischer Messtechniker und betreibt eine anerkannte baubiologische Beratungsstelle (IBN). Der Sachverständige für Baubiologie misst und bewertet Gesundheitsrisiken und saniert Schäden für private und gewerbliche Kunden nach dem D-MIR-Standard.